Cholesterin und Naturheilkunde

Im Rahmen der Vorsorge überprüfen wir Ihre Blutfette (Cholesterin, HDL, LDL, Triglyceride). Basierend auf diesen Werten und weiteren Informationen (z.B. Blutdruck, Familiengeschichte) errechnen wir mit Hilfe einer Software Ihr individuelles Risiko für Gefäßkrankheiten. Basierend auf diesen Berechnungen können wir Ihnen eine Empfehlung geben, ob ein Medikament notwendig ist.

Vielleicht möchten Sie aber bei moderat erhöhten Werten schon etwas unternehmen, damit Sie gar nicht erst in die Situation kommen ein Medikament einnehmen zu müssen.


Ernährung

Die “Cholesterin-Diät” war vor einigen Jahren ein großes Thema in den Medien. Inzwischen ist dieses Konzept überholt. Man empfiehlt eine allgemein gesunde Ernährung.

Die Bundesregierung hat hierfür zwei übersichtliche Ratgeber kostenlos zur Verfügung gestellt:

Die Lebensmittelpyramide: 

In dem Ratgeber “IN FORM – Gesund genießen” wird erklärt, in welchem Verhältnis sich die Bestandteile einer gesunden Ernährung zusammensetzen sollten. Das Besondere an diesem Ratgeber ist, dass Portionsgrößen nicht in Milligramm, sondern leicht nachvollziehbar und anwendbar in “1 Hand voll” oder “1 Glas” angegeben sind.


Knoblauch

Knoblauch ist eigentlich, sofern ausreichend dosiert, die wirksamste Heilpflanze zur Behandlung von Arteriosklerose. Wissenschaftler haben eine Reihe bioaktiver Substanzen in der Knoblauchzehe identifiziert. Eine der wirksamsten ist die Aminosäure Allicin: Sie wirkt gefäßerweiternd und antioxidativ und ist auch für den typischen Geruch verantwortlich.

Aufgrund des Körpergeruchs nach Einnahme von größeren Mengen Knoblauch ist es bei Patienten aber eher unbeliebt. Gerne können Sie frischen Knoblauch regelmäßig über die Nahrung aufnehmen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Einnahme von Knoblauch als gefriergetrocknetes Knoblauchtrockenpulver, verarbeitet in Dragees oder Tabletten, da Allicin darin eine gute Stabilität besitzt.

  • Für eine effektive Therapie beträgt die Tagesdosis 900 – 1200 mg Knoblauchpulver, bei 50 % der Patienten wird hierbei Knoblauchgeruch beschrieben. Bei den mir persönlich bekannten Patienten ist bisher kein Geruch aufgetreten.

Die meisten Studien wurden mit folgenden Präparaten durchgeführt:


Sicher gewöhnungsbedürftig, aber für Freunde der Naturheilkunde eine schöne Ergänzung ist die Zitronen-Knoblauch-Kur 1-3 mal im Jahr, die ich in einem eigenen Beitrag in meinem Ratgeber vorstelle.


Indische Flohsamen

Der Flohsamen ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Wegeriche. Die rotbraunen Samen sind von elliptischer Form und glänzen, was Ihnen den etwas seltsamen Namen eingebracht hat. In mehreren kontrollierten Studien konnte gezeigt werden, dass die regelmäßige Einnahme das LDL-Cholesterin senkt.

Das sollten Sie wissen:

  • Flohsamen quellen auf das 40-fache ihrer Größe auf und müssen deshalb stets mit ausreichend Flüssigkeit im Verhältnis 1:10 eingenommen werden – sonst kommt es zu Verstopfung. Wird dies jedoch beachtet helfen Flohsamen sogar gegen Verstopfung und reduzieren (wie alle Ballaststoffe) das Darmkrebsrisiko
  • Geschrotete (= gemahlene) Flohsamen sind wirksamer als ungemahlene, da der Inhalt der Samen besser freigegeben wird.

Dosierung (gilt nicht für Fertigpräparate):

  • Mischverhältnis: 1 Teelöffel pro 1 Glas Wasser oder Saft (mindestens 300 ml Flüssigkeit).
  • Sie können bis zu 3-mal am Tag jeweils 1-2 Gläser zu sich nehmen.
  • Bitte zügig verrühren und zügig trinken, da sonst die Flohsamenschalen bereits im Glas aufquellen.
  • Die Einnahme sollte bei einmaliger Einnahme (wegen des Leberstoffwechsels) vorzugsweise abends erfolgen.

Fertigpräparate:

  • Da es also Einiges zu beachten gibt, empfehle ich (solange es der Geldbeutel erlaubt) lieber auf ein Fertigpräparat zurückzugreifen.
  • Bei der Dosierung gelten die Herstellerangaben.

Hier ein paar Links zu Herstellerseiten:


Artischocke

Die Artischocke ist nach Knoblauch und Flohsamen die Pflanze mit der drittstärksten Wirkung. Wie Knoblauch können Sie die Artischocke gut in ihre Ernährung einbauen. Es gibt aber auch Fertigpräparate.

Ich denke Artischocke ist eine gute Wahl für Patienten, bei denen unter Knoblauch Geruch aufgetreten ist und die eine rein natürliche Therapie bevorzugen.

Etabliert sind folgende Präparate:


ArmoLipid

Die Tablette enthält Roten Reis, Folsäure, Astaxanthin und Coenzym Q10.

Es existiert eine Anwendungsbeobachtung über 12 Wochen an 667 Personen mit Hyper- lipidämie, die aus unterschiedlichen Gründen nicht medikamentös behandelt wurden und daher Armolipid PLUS erhielten.

Hierbei wurde eine moderate aber dennoch statistisch signifikante Senkung von LDL-Cholesterin beobachtet.

Wissenschaftlich betrachtet ist das nur ein sehr niedriger Evidenzgrad – meine persönlichen Erfahrungen mit dem Präparat sind aber gut.

Bei Armolipid PLUS handelt es sich um das österreichische Präparat. Auf dem deutschen Markt heisst das Präparat einfach Armolipid.

Hier ein Link zur Herstellerseite


Für Diabetiker: Die Haferkur

Für die naturheilkundliche Behandlung von Diabetes habe ich einen eigenen Beitrag in meinem Ratgeber verfasst. Die Haferkur senkt primär den Blutzucker, senkt aber auch etwas das Cholesterin.

Mehr erfahren Sie hier


Empfehlung

Zusammenfassend empfehle ich bei einer relevanten und dauerhaften Entgleisung der Blutfette ein konventionelles Medikament, denn nur hier gibt es qualitativ hochwertige Studien, die auch beweisen, dass Krankheiten wie Schlaganfall oder Herzinfarkt signifikant seltener auftreten.

Menschen mit bereits vorhandener Gefäßkrankheit müssen sogar unabhängig vom Blutwert solche Medikamente einnehmen.

Die naturheilkundlichen Präparate sind geeignet für Patienten, die noch kein Medikament benötigen, aber aufgrund eines erhöhten Gesamtrisikos schon etwas unternehmen möchten.

Um Gefäßverkalkungen vorzubeugen, muss das jeweilige Präparat dauerhaft eingenommen werden. Aus diesem Grund empfehle ich vor allem reine Knoblauchpräparate, da es hier aus der mediterranen Küche gute Erfahrungen bezüglich der Verträglichkeit bei langfristiger Anwendung gibt.

Darüber hinaus kann man Artischocke gut als Lebensmittel einbinden.

Synthetische Präparate wie Armolipid, die schon eine gewisse Ähnlichkeit mit klassischen Arzneimitteln aufweisen, sind besonderen Konstellationen vorbehalten. Ich berate Sie diesbezüglich gerne.


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