Atemwegsinfekte und ihre Abwehr

Eigentlich hat es so ein armes Erkältungsvirus schon ganz schön schwer. Um in eine Zelle Ihrer Atemwege überhaupt eindringen zu können, muss es zunächst den darauf liegenden Schleimfilm überwinden. Doch während es quälend langsam versucht durchzukommen, wird es von den Flimmerhärchen der Atemwege wieder nach außen getragen und von Proteinen angegriffen, die es zerstören.

Doch der Erreger hat Glück. Der menschliche Körper reagiert auf kalte Zugluft mit einer Absenkung der Durchblutung der Atemwege. Auch die Flimmerhärchen schlagen dann langsamer und die Effektoren des Immunsystems werden nicht in ausreichender Menge nachgeliefert. Deshalb heißt es auch ErKÄLTung.


Frühphase: “Wie Sie noch die Kurve kriegen”

Wenn es anfängt im Hals zu kratzen und die Kälte in die Glieder kriecht, kann man den Infekt noch aufhalten.

Aufsteigendes Fußbad

  • Richtig durchgeführt, kehrt ein Fußbad den oben geschilderten Prozess um. Es fördert die Produktion des schützenden Schleims, aktiviert die Flimmerhärchen und fördert die Durchblutung der Atemwege. Ein Fußbad macht man nur dann, wenn man friert – nicht bei Hitzewallungen.

Link: Aufsteigendes Fußbad (inkl. Schwitzkur) mit ausführlichen Informationen


Cineol

Hierbei handelt es sich um einen Extrakt aus der Pflanze Eukalyptus, der ähnlich wirkt wie das aufsteigende Fußbad.

  • Steigert Schleimproduktion und Abtransport (regt die Flimmerhärchen an)
  • leichte antibakterielle und antivirale Wirkung, Schwach krampflösend

Sie erhalten Cineol als Fertigpräparat in der Apotheke unter den Namen: Soldeum forte oder GeloMyrtol forte.

  • Einnahme vorzugsweise mit einem großen Glas kalten Wasser, sonst geht die Kapsel schon im Magen auf, was unangenehm sein kann.

Zink

  • In einer Metaanalyse aus Finnland wurden 13 placebokontrollierten Studien mit unterschiedlichen Zink-Dosierungen eingeschlossen: Bei einer Einnahme von mehr als 75 mg täglich war eine Reduktion der Erkältungsdauer gegenüber Placebo um 20-42% (je nach Studie) nachweisbar. Es zeigte sich, dass die Einnahme von weniger als 75 mg täglich keinen signifikanten Effekt auf die Erkältungsdauer hatte.
  • Diese hohe Dosierung gilt nur für das Anfangsstadium eines Infektes und ist wegen möglicher Nebenwirkungen in dieser Form nicht dauerhaft empfehlenswert.

Meine Empfehlung: Zinkorotat-POS 40 mg: 2x täglich (1-0-1) in den ersten 4 Tagen eines Infektes. Keine dauerhafte Einnahme!

  • Beachten Sie den Beipackzettel. Zink vermindert die Resorption von bestimmten Antibiotika (Tetracyclinen).
  • Andere Zinkpräparate z.B. vom Discounter sind ggf. günstiger. Gängige Zink-Präparaten enthalten aber meist nur zwischen 10 und 25 mg pro Tablette. Dementsprechend müsste alle 2-3 Stunden eine Tablette eingenommen werden, um auf die Tagesdosis zu kommen.

Infektphase: “Jetzt dauerts”

Wenn die kritische Masse an infizierten Atemwegsepithelzellen überschritten ist, können Sie eigentlich nicht mehr viel tuen, dass zu einer Verkürzung des Erkrankungsdauer führen würde.

Behandlung

Medikamente dienen nur der Symptomlinderung – sie können auch einfach abwarten.


Hygiene und Verhalten

Unterbringung

  • Stellen Sie nach Möglichkeit eine Einzelunterbringung in einem gut belüftbaren Zimmer sicher.
  • Begrenzen Sie die Anzahl und Enge Ihrer Kontakte bestmöglich, insbesondere gegenüber Personen, die einer Risikogruppe angehören (Immunsupprimierte, chronisch Kranke, ältere Personen). Empfangen Sie keinen unnötigen Besuch.
  • Die Nutzung gemeinsamer Räume sollte auf ein Minimum begrenzt werden oder, falls dies nicht möglich ist, ein Mindestabstand von 2 m zu Ihnen eingehalten werden.

Hände waschen

  • Hände waschen – mit warmem Wasser und Seife (ca. 30 Sekunden).
  • Benutzen Sie zum Abtrocknen der Hände möglichst Einweg-Papiertücher, z. B. Küchenpapier. Ansonsten sollen Gesunde sollen nicht dieselben Handtücher verwenden wie Erkrankte.

 © Medizinische Universität Wien

Richtig Niesen

  • Wenn Sie Husten oder Niesen müssen: decken Sie Mund und Nase dabei mit einemTaschentuch ab (das Sie anschließend wegschmeißen) oder niesen/husten Sie in Ihre Ellenbeuge.
  • Taschentücher und andere Abfälle, die von kranken Personen oder bei der Pflege von kranken Personen erzeugt wurden, sollten in einem Mülleimer (mit Müllbeutel) im Krankenzimmer aufbewahrt werden, bevor sie in den Hausmüll kommen.

Richtig die Nase Putzen

  • Stets ein Nasenloch zuhalten und durch das andere vorsichtig und sachte! ins Taschentuch blasen
  • Starkes schnäuzten kann zur Verschleppung von Krankheitserregern Richtung Ohr oder Stirnhöhlen führen.

 


Nach dem Infekt

Achtung mit Sport

  • Nach einem fieberhaftem Infekt (Temp > 38°C) sollten Sie 3 Wochen lang auf Sport verzichten, da es sonst zu einer gefährlichen Herzbeutelentzündung kommen kann.

Grippeschutzimpfung

Die Grippeschutzimpfung schützt NICHT vor Erkältung, denn die typischen Atemwegsinfekte werden von ganz anderen Viren hervorgerufen.

Sie reduziert das Risiko einer Infektion durch das echte Influenza-Virus um 60-70%.

Die Zahl der Infektionen während einer Grippewelle – nicht jeder Infizierte erkrankt – wird auf 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung geschätzt, in Deutschland wären das 4 bis 16 Millionen Menschen. Von diesen versterben jährlich in Deutschland bis zu 20.000 Menschen.

Die Grippeschutzimpfung ist normalerweise gut verträglich und als sehr sicher einzustufen.

Ich empfehle die Influenza Impfung insbesondere für folgende Risikogruppen (weitere nach individueller Beratung):

  • Alle Menschen ab 60. Lebensjahr
  • Chronische Atemwegs-, Herz-, Leber oder Nierenkrankheiten (z.B. Herzkrankheit, Asthma, COPD, Hepatitis)
  • Diabetiker

Diese und andere Patienten können sich in unserer Praxis kostenfrei gegen Influenza impfen lassen. Bringen Sie bitte soweit möglich Ihren Impfausweis mit.


Naturheilkunde zur Infektprophylaxe

Wichtig ist mir hier zu sagen, dass bis zu 5 Atemwegsinfekte pro Jahr normal sind und es bisher keine Therapie gibt, die Ihnen zuverlässigen Schutz gewähren kann.

Die Verfahren, die im Folgenden genannt werden, haben unserer Erfahrung nach durchaus eine gewisse Wirksamkeit, dennoch sollte man den Effekt auch nicht überschätzen.


Intervalltherapie mit Echinacea als Infektprophylaxe

Die Wirksamkeit von Echinacea (“Sonnenhut”), war lange Zeit umstritten. Eine aktuelle Übersichtsarbeit, die 21 placebokontrollierte Studien zusammenfasst, gibt eine positive Empfehlung – möglicherweise weil in den letzten 20 Jahren bezüglich der Auswahl des Rohmaterials (nur noch oberirdische Anteile) der Extraktverarbeitung und Dosierung neue Erkenntnisse erwuchsen.

Da Echinacea zur Entleerung bestimmter intrazellulärer Speicher führt, ist eine kontinuierliche Einnahme nicht zielführend. Die Korrekte Anwendungsform ist die Intervalltherapie, die folgendermassen durchzuführen ist:

  • Tagesdosis: 3x 25-30 gtt.
  • Schema: 4 Tage einnehmen – 3 Tage Pause
  • Höchstdauer: 4 Woche
  • Bitte beachten Sie den Beipackzettel

Gute Hersteller:


Immun-Kur in unserer Praxis

Ich empfehle eine Kombination von

  • Eigenbluttherapie (LINK): 8 Injektionen in unserer Praxis über 4 – 8 Wochen zur Stimulation des Immunsystems
  • Matricell: Hierbei handelt es sich um Trinkampullen welche die wesentlichen Wirkstoffe aus Bienenprodukten enthalten (Gelée Royale, Propolis-Extrakt, Blütenpollen-Extrakt). Sie erhalten diese in der Apotheke.

Thymuspeptide 

Die Thymusdrüse ist das entscheidende Organ für die Entwicklung der zellulären Immunität, verkümmert aber im Laufe des Lebens. Bei der Therapie mit Thymuspeptiden, werden Extrakte aus der Thymusdrüse eines Kalbes 1-3x wöchentlich über 3 Monate als Kur injiziert.

Diese Therapieform empfehle ich NICHT, da Sicherheitsbedenken überwiegen: So besteht ein Risiko, dass zusammen mit den Thymuspeptiden sogenannte Prioren, die Krankheitserreger der BSE, übertragen werden. Darüber hinaus kann es zu lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen kommen.

Es gibt zwar Konzepte mit denen die Hersteller die Risiken minimieren wollen, Studien welche Sicherheit und Wirkung der Thymuspeptid-Präparaten ausreichend belegen fehlen aber.

Im Ausnahmefall kann eine Anwendung bei fortgeschrittenen Tumorkrankheiten als Reservetherapie nach sorgfältiger Abwägung erwogen werden.

Wir raten im Regelfall von dieser Therapieform ab und führen Sie grundsätzlich nicht durch.